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Niepoort Charme 2004

von Jörg Uwer

Niepoort Charme 2004

Weingut: Niepoort
Rebsorten: Tinta Roriz, Touriga Franca
Region: Douro
Land: Portugal

Für mich hat ja ein Rotwein meist und grundsätzlich eine Menge Charme. Wenn das Objekt der vinophilen Begierde auch noch so heißt, dann übertrifft meine Aufmerksamkeitsspanne die des dieser Tage zweifelsohne größten Charme-Bolzens unseres Planeten, Donald „Armed Erica“ Trump (der nach eigener, extraterrestisch verzerrter Wahrnehmung ja angeblich auch eines der größten Weingüter der USA besitzt), um ein Vielfaches, sie ist demnach also deutlich länger als fünf Sekunden…

Und der Charme 2004 von Niepoort rechtfertigt die hohe Aufmerksamkeit durchaus, aber zunächst sei der Erzeuger kurz vorgestellt:

Das Portweinhaus mit Sitz in Porto im portugiesischen Bereich Douro wurde im Jahre 1842 gegründet. Die aus den Niederlanden eingewanderte Familie Niepoort übernahm das Unternehmen 1847, es ist auch heute noch in fünfter Generation in Familienbesitz und wird von Dirk van der Niepoort geführt. Nach einem Jahr Praxis im kalifornischen Weingut Cuvaison stieg er 1987 an der Seite seines Vaters Rolf in den Betrieb ein und hat die Quinta kontinuierlich an die Spitze der portugiesischen Weinproduzenten geführt. Dabei erzeugt Dirk van der Niepoort beileibe nicht mehr nur Portweine, seit seinem Antritt und mit dem ersten Jahrgang 1991 des „Redoma“ ist Niepoort auch für großartige Rotweine bekannt (und mittlerweile für ebensolche Weißweine!). In dem bemerkenswerten Portfolio befinden sich mit dem „Batuta“ und dem hier vorgestellten „Charme“ auch zwei internationale Top-Weine. Darüber hinaus ist es Niepoorts Verdienst, mit der Vereinigung von fünf der besten Rotweinmacher des Douro zur Marketinggemeinschaft „Douroboys“ maßgeblich zur hohen Reputation portugiesischer Rotweine beigetragen zu haben. Die sich gegenseitig unterstützenden und beratenden Freunde der „Quinta Niepoort“, „Quinta do Vale Meao“, „Quinta do Vale Dona Maria“, „Quinta do Crasto“ und „Quinta do Vallado“ bilden die Elite der portugiesischen Rotweinherrlichkeit und sie erzeugen nur alle fünf Jahre einen in lediglich 750 Magnums abgefüllten Gemeinschaftswein „Douroboys“. Dazu gibt jeder der fünf Winzer mehrere, stark variiende Fässer unterschiedlicher Rebsorten, aus denen dann in einer zweitägigen Blindverkostung das Beste selektioniert und assembliert wird, wobei jeder Winzer eben genau ein Fünftel der finalen Cuvée stellt (den Preis einer solchen Rarität kann man sich dann auch ungefähr ausmalen…).

Dirk Niepoort lehnt sich mit dem Namen des “Charme” an einen der größten Weine des Burgunds an: „Charmes Chambertin“, ein Name der vielen als Symbiose von Kraft und Finesse im Burgund gilt. Er wird mit minimalen Erträgen von unter 20 hl/ha aus über im Schnitt über 70 Jahre alten Reben erzeugt und 15 Monate in französischer Eiche ausgebaut. Dirk Niepoort wollte mit dem Charme tatsächlich einen Burgunder-gleichen Wein erzeugen (die Flasche hat daher auch konsequenterweise die entsprechende Form) und konnte dann auch wohl ganz zufrieden feststellen, dass er in einer Blindverkostung von fast allen – durchweg professionellen – Teilnehmern als Burgunder vermutet wurde. Dies erstaunt umso mehr, als dass der Wein maßgeblich aus den autochthonen Rebsorten Tinta Roriz und Touriga Franca erzeugt wird, die ja in der Regel sehr dunkle Weine hervorbringen.

Der Charme 2004 kommt hingegen in einem schönen Granatrot ins Glas. In der Nase und am Gaumen dominieren Aromen roter Früchte, insbesondere Kirsche und Himbeere, aber auch etwas Schlehe, Mokka und Schokolade sowie zarte fleischige Noten. Die Tannine sind nach rund 13 Jahren abgeschliffen und seidig. Der Wein wirkt im langen Finale elegant und perfekt ausbalanciert, in jeder Hinsicht „charmant“…“They made Portugal great again, these charming Douro Boys!“

Geschmack: 4,5 von 5 Punkten, Preis/Leistung: 4 von 5 Punkten

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