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Nino Negri 5 Stelle Sfursat 2003

von Jörg Uwer

Nino Negri 5 Stelle Sfursat 2003

Weingut: Nino Negri
Rebsorten: Nebbiolo
Region: Valtellina / Lombardei
Land: Italien

Warum nicht wieder mal etwas aus dem nördlichen Italien?“ dachte ich mir heute Abend beim Gang in den Weinkeller und glücklicherweise erblickte ich vor dem üblichen „Den oder doch lieber den?“-Rumgeeiere einen schon länger nicht mehr terminierten „Sforzato“ und zwar den „5 Stelle Sfursat“ von Nino Negri…

Bevor ich allerdings mit dieser Bouteille vorfreudig die Kellergefilde verlassen konnte, musste ich noch eine akute, schlimme „Kopfkino-Attacke“ überstehen:“Cinque Stelle von Nino Negri“…das klingt doch verdächtig nach einer Kamikaze-artig schräg auf den Gehörnerv einfliegenden Schlagerschnulze in der fatalen Interpretation einer im sortenreinen Hitparaden-Schnellsprech von Dieter Thomas Heck anmoderierten Sangesschwuppe aus Castrop-Rauxel mit kalabrischem Migrationshintergrund…aber zum Glück weit gefehlt.

Also schnell das Kopfkino auf Abspann geschaltet, die Treppe hochgestürmt und das gute Stück geöffnet… Aber vor den Sinneseindrücken gibt es für unsere geschätzten Leser natürlich einige Hintergrundinformationen:

Der Sforzato di Valtellina (eben auch „Sfursat di Valtellina“ genannt) aus dem Veltlin (ital. Valtellina, nicht zu verwechseln mit den Veltliner-Rebsorten aus Österreich!) ist ein ganz ähnlich dem Amarone di Valpolicella aus Venetien nach dem Appassimento-Verfahren aus zumindest 90% Chiavennasca-Trauben (so wird in der Lombardei die Nebbiolo-Traube bezeichnet) trocken ausgebauter roter Strohwein. Die spät gelesenen Trauben werden bis zu drei Monate auf Strohmatten bzw. Holzgestellen getrocknet und anschließend bei traditioneller Maischegärung langsam vergoren. Dies führt zur Verminderung der Säure und Bildung spezieller Aromastoffe. Der Wein muss einen Alkoholgehalt von zumindest 14% aufweisen und zumindest 20 Monate, davon 12 Monate im Holzfass reifen.

Eine nette Anekdote ist sicher die Geschichte des Feldherrn Fürst von Wallenstein (1583-1634), dem aufgrund seines bis etwa zu seinem 30. Lebensjahrs doch recht exzessiven Weinkonsums von seinem Arzt Mäßigung auferlegt und der ausschließliche Genuss von Valtellina-Rotweinen empfohlen wurde. Angeblich konnte so die Transformation von „Wallenstein zu Gallenstein“ erfolgreich verhindert werden…!

Die Kellerei Nino Negri wurde bereits im Jahr 1897 durch den Namensgeber gegründet, gehört aber seit 1986 zur „Gruppo Italiano Vini“. Nino Negri weilt somit schon lange nicht mehr unter uns und kann daher heute persönlich weder Weine herstellen noch Schlager singen. Unter der Regie des Önologen Casimiro Maule werden von 38 Hektar Rebfläche jährlich 800.000 Flaschen Wein produziert. Der „5 Stelle“ ist das „Flaggschiff“ des Hauses.

Die 2003er-Ausgabe dieses Weins kommt in einem durchsichtigen Granatrot ins Glas. Das Bouquet präsentiert sich als ein interessantes Potpourri aus intensiven Sauerkirschen, dazu Karamell und Butter, auch etwas Erdbeere sowie Pinienhölzer und mineralische Aromen. Am Gaumen setzen sich diese komplexen Eindrücke fort, hinzu gesellen sich die für die einen Passito-Wein typischen Rosinennoten sowie etwas Schokolade. Der relativ hohe Alkoholgehalt von 15,5% ist deutlich zu spüren, aber nicht aufdringlich. Das Finale ist lang und angenehm. Der Wein scheint im Alter von knapp 13 Jahren auf seinem Höhepunkt, wird sich aber noch einige Jahr auf diesem halten. „5 Sterne“ bedeuten hier nicht automatisch „5 Punkte“, kommen diesen aber nahe, denn irgendwie sind sie dann doch ein echter Schlager…

Geschmack: 4 von 5 Punkten, Preis/Leistung: 4 von 5 Punkten

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