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Poeira Tinto 2005

von Jörg Uwer
Poeira Tinto 2005 douro 44 barricas

Poeira Tinto 2005

Weingut: Quinta do Poeira
Rebsorten: Sousao, Touriga Nacional
Region: Douro
Land: Portugal

Nun ja, die Portugiesen sind also Europameister geworden…im Fußball bekanntlich. Ob sie dies verdient haben, sorgt auch eine gute Woche nach dem Finale noch für mehr oder weniger hitzige Debatten in den Kneipen, den Kegelclubs und den Parlamenten Europas, was zumindest dahingehend wenig überrascht, dass das intellektuelle wie kommunikative Niveau in all diesen Einrichtungen ja homogen rustikal ist…

Unter den mir zuteil gewordenen Auffassungen hinsichtlich der vermeintlichen Gerechtigkeit der westiberischen Titelannexion dominierten Urteile wie – frei transkribiert – „Die Portugiesen spielen unterirdischen Fußball“, „Die Portugiesen können nur treten“, „Dieser weinerliche Ronaldo“ usw. … „Unterirdisch“, „Treten“, „Wein-erlich“…damit ist es also höchste Zeit für eine Überprüfung, was die Portugiesen denn so in Keller, beim Trauben stampfen und an der Kelter zustande bringen!

Für diese Begutachtung vinophiler Meisterschaftsambitionen muss dann heute ein Poeira Tinto 2005 herhalten.
Wer verbirgt sich hinter „Poeira“? So viel vorweg: Es ist nicht Cristiano Ronaldo, denn der hätte das zweifelsohne genauso gut gekonnt (der kann ja schließlich alles!), seine vielfältigen Verpflichtungen als allmächtiger Fußballgott, gemächtiger Boxershort-Plakateur und prächTiger Verführer von Victoria’s Secret-Vorführerinnen ließen ihm dafür aber wohl ächt keine Zeit mehr…

Das Weingut wurde im Jahr 2001 von dem Önologen Jorge Moreira gegründet, der sodann einen Weinberg mit alten Rebanlagen in der Douro-Region erwarb. Da es dort so wenig Niederschlag gibt und die Gegend an eine Staubwüste erinnerte, nannte Jorge seine Quinta „Staub“ (= „Poeira“). Das Etikett des Poeira zeigt dann auch stets einen Staubsaugerschlauch (sic!)! Jorge legte besonderen Wert auf die nördliche Ausrichtung der Quinta, denn das zwar trockene, aber relativ kühle Mikroklima sorgt für eine langsamere Traubenreife und eine für die Region eher untypische, aber umso angenehmere, elegante Frische der Poeira-Weine.

Der Poeira ist eine Cuvée aus den autochthonen Rebsorten Sousao (auch als Vinhão bekannt) und Touriga Nacional. Die Sousao-Traube ist hauptverantwortlich für die enorme Konzentration an roten Früchten in der Nase und am Gaumen, während Touriga Nacional die floralen und würzigen Noten spendet. Intensive Kirscharomen (Schwarz- und vor allem Sauerkirsche), angereichert um rote Johannisbeere, Heidelbeere, aber auch etwas Pflaume und dunkle Schokolade dominieren die Eindrücke von einem komplexen, eleganten und finessenreichen Wein, der in interessanter und eigenständiger Form das Beste aus Bordeaux, Burgund und Kalifornien zu vereinigen scheint. Im Mund gesellen sich mineralische Noten hinzu, die die staubtrockene Erde, auf der die Reben gewachsen sind, erahnen lassen. Die Reintönigkeit der Fruchtaromen ist bis in den enorm langen Abgang begeisternd, dabei zeigt sich der Wein überaus harmonisch, „viel Frucht“ bedeutet hier keineswegs „Marmelade“.

Meiner bescheidenen Ansicht nach erbringt der Poeira für die Portugiesen den Beweis europameisterlicher Klasse…und dafür braucht er anders als seine Kicker-Elite nicht einmal seine französischen Pendants zu besiegen, er spielt aber mit vielen von ihnen in der Champions League der europäischen Weinkunst…sehr empfehlenswert!

Geschmack: 4,5 von 5 Punkten, Preis/Leistung: 4 von 5 Punkten

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