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Valencia, Requena & Alicante – Weinreisenotizen Teil 1

von Anne Gerhards
Congress Monastrell Variety 2015

Congress Monastrell Variety

Auf dieser Weinreise sind wir einer Einladung des Valencian Institute for Business Competitiveness (IVACE) gefolgt. Ziel waren die Regionen Valencia, Requena und Alicante mit ihren jeweiligen Weingütern und Weinen. Eine anstrengende, überraschende und interessante Weinreise. Mit dabei waren 10 Journalisten und Blogger aus Irland, England und Deutschland mit einer Altersspanne von 27 bis 80 Jahren. Dabei wurden an Tag eins und zwei über 30 Weine verkostet. Dennoch möchte ich zunächst mit Tag drei beginnen.

An diesem Tag fand in Alicante der erste internationale Kongress zur Monastrell-Vielfalt (International Congress of the Monastrell variety) statt. Für mich war es der uninteressanteste Tag. Den ganzen Tag gab es Vorlesungen, die Probe war ein arges Durcheinander. Schön war allerdings, dass der Unterschied der Weinproduktion vom früher und heute dargestellt wurde und wie mittlerweile der Konsument im Mittelpunkt steht. Dadurch wird auch mehr auf die Qualität und die Weinherstellung geachtet. Viele der Winzer die ich dort traf, arbeiten biologisch oder ändern die Herstellung gerade dahingehend.

Der Ablauf des Kongresses war spanisch-chaotisch, irgendwann hatte das Programm 1 ½ Stunden Verspätung, die Vorträge waren ausladend, alles wurde bis ins Detail ausgeführt. Interessant fand ich die Anmerkung, dass wieder viel mehr junge Leute an den Wein geführt werden müssen. Das könnte man auch etwas falsch verstehen, wenn man mich fragt. Den Ministern und Abgesandten zu lauschen war nett, aber die Leidenschaft blühte viel mehr bei den Winzern selbst auf und damit sind wir auch schon bei den beiden Tagen davor.

Tag 1 – Valencia

Bodegas Mustiguillo

Bodegas Mustiguillo Verkostung

Das Weingut (Bodega) Mustiguillo, Vino de Pago DOP El Terrerazo war der erste große Stop. Ein wunderschönes Weingut, umgeben von Weinreben. Antonio Sarrión Martínez führte uns durch sein Weingut. Er ist der einzige von sieben Geschwistern der sich an das Weiterführen des väterlichen Weinbetriebes traute. “Die anderen kommen heute nur noch gern um Urlaub zu machen!”, erklärte er mit einem Augenzwinkern. Seit 2007 arbeitet das Weingut biologisch, mit Respekt vor dem Boden und ausschließlich in Handarbeit. Ist ein Winter zu nass wird auch kein Wein gemacht. So geschehen, bzw. nicht geschehen in 2002, 2008, 2013. Man merkt wie viel Leidenschaft er in die Herstellung steckt. Er fügt nahezu keinen Zucker hinzu. „Sonst kann man auch Coca Cola trinken!“ sagte er uns. Er konzentriert sich auf Wetter und Rebe und deren Zusammenspiel. So produziert er nicht mit dem Ziel einen Gran Reserva zu haben oder ähnliches. Er ist der Meinung dass der Wein einfach schmecken muss, egal wie lange er im Fass war.

Es wird darauf geachtet maximal ein Kilogramm Trauben pro Quadratmeter wachsen zu lassen. Mehr entzieht insbesondere dem Boden zu viele Nährstoffe. Regelmäßig werden Pflanzenreste in den Boden gemischt um ihm neue Nährstoffe zuzuführen. Wachsen zu viele Trauben, wird ausgedünnt, um den Geschmack nicht zu gefährden. Seit einiger Zeit wird sich auf Bobal konzentriert. Zu den Eigenheiten dieser – für mich neuen Rebe – später mehr.

Bodegas Mustiguillo WeineZwei der drei Weine möchte ich vorstellen. (Auf dem Bild die ersten beiden Gläser. Der Erste war ein 2014er Finca Calvestra, Merseguera. 2009 wurde der Wein eingeführt. Riecht erfrischend nach gelben Früchten. Dies bestätigt sich auch im Geschmack. Halbtrocken kommt er mit Birne und Quitte, hat eine leichte balancierte Säure. Sehr angenehm. Nach dem Trinken bleibt er nicht lang und eignet sich gut zu Salaten oder, aufgrund seiner feinen Säure, auch zu fettem Fisch.

Beim La Garnacha stand ich etwas allein da. Meine mitreisenden Weinexperten waren absolut begeistert. Ich würde sagen, es ist Geschmackssache. Es handelte sich um den 2014er La Garnacha, De Mustiguillo. Ein 12 Monate in französischer Eiche gereifter Wein hat ein wunderschönes dunkles Lila-Pink. Er riecht zunächst leicht beerig. Nach wenigen Minuten im Glas beginnt er mehr und mehr mineralisch zu riechen. Was mich irgendwann auffällig an Eisen erinnerte. Die anderen begeisterte das. Im Geschmack ist er trocken, ausgewogen und rund. Das mineralische kommt durch, aber angenehm. Der Geruch ist besonders intensiv und ausgeprägt. Aber wie gesagt, das muss man mögen.

Die eben erwähnte Rebsorte Bobal, ist eine typische Rebe für diese Region. Die Traube wächst sehr eng und hat große Früchte mit einer dicken Haut. Das macht es nicht leicht sie zu guten Wein zu machen. Nach 35 Jahren wachsen ihre Trauben dann allerdings kleiner, die Schale bleibt dick. Ab dann wird die Verarbeitung einfacher und besser, sagten fast alle Winzer.

Vom Weingut ging es zunächst zur „Weinfeld-Besichtigung“ – es ist schon ein Erlebnis, zu sehen, wie flach der Wein hier wächst – bevor es zur nächsten Weinprobe ging.

Bodegas Mustiguillo Weinberg

 

Zu Besuch bei dem Consejo Regulador DOP Utiel-Requena

Consejo Regulador DOP Utiel RequenaSpäter wurden wir dann noch von der Gesellschaft Consejo Regulador Denminación de Origen Protegida Utiel-Requena begrüßt. Sie ist für die Vergabe des Qualitätssiegels D.O. zuständig und Fluch und Segen für die Winzer, wie ich herausfand. Es macht die Produktion bürokratischer, ist gleichzeitig aber Signal an den Konsumenten und auch Eigenkontrolle. Es war massiv schicker aufgezogen als der Winzerbesuch davor. Hier stellten einige Bodegas der Region ihre Weine vor und es ergaben sich interessante Einzelgespräche mit den Winzern. Hier die Notizen zu ein paar herausragende Winzern und Weinen:

Bodegas Covinas

Bobal Rosado Al Vent 2014Auf der Bodegas Covinas gab es einen außergewöhlichen Rosé-Wein. Ein Wein mit dem ich sonst häufig auf Kriegsfuß stehe, meines Erachtens neigt er gern dazu etwas muffig zu sein. Dieser 2014 Bobal Rosado, Al Vent war überraschend anders. Er besticht durch den Geruch von Erdbeeren und mit einem frischen, leichten Geschmack nach roten Sommerfrüchten. Und das ohne künstlich zu wirken. Der perfekte Sommerwein zu Salaten mit Früchten.

Bodegas Nodus

Bodegas Nodus ChardonnayBei Bodegas Nodus fand ich zunächst die schlichten, modernen Etiketten schön. Interessant war, dass sie auch Olivenöl, Gin und Wodka anbieten. Und das nicht erst seitdem die Getränke in Mode ist, sondern immer schon. Von den Weinen die ich dort probieren durfte, war der Chardonnay sehr gut. Typisch durch seine frische und Fruchtigkeit, mit einer ganz leichten Muskatnote, was ihn zu etwas Besonderem macht und wodurch er sich von den anderen abhob.

Bodegas Chozas Carrascal

las2ces Chozas CarrascalDas nächste Weingut war das Bio-Weingut Chozas Carrascal. Es wird von drei Familien betrieben. Beim Wein las2ces habe ich leider nur ein gutes Foto vom Weißwein. Der Rotwein, den ich aber schön fand, sieht im Prinzip genauso aus, allerdings mit einer roten 2 und es steht vino tinto drauf. Der Wein besteht zu 80% aus der Bobal-Rebe. Die 13,5% Alkohol, die für spanische Weine Durchschnitt sind, merkt man auch im Mund, aber auf eine frische, fruchtige Art und Weise. Ich fand zudem auch den Webauftritt einfallsreich, mit dem Rauch den sie dort abbilden.

Bodegas Murviedro & Bodegas Sebiran

Bodegas Murviedro Cueva de la culpa 2012 bassusDie Bodegas Murviedro hatte gleich ein paar bestechende Weine. Einmal einen Teufel in einer Höhle „Cueva de la culpa“ und den „Bassus“ einen Pinot Noir. Ersterer hat einen intensiven Geschmack mit gleichzeitig ausbalancierten Taninen, leicht cremig. Der Andere ist außergewöhnlich weich und leicht. Sehr rund und angenehm zu trinken.

Als ich an den Probierstand der Bodegas Sebiran kam und mich vorstellte, sagte er, in perfektem Deutsch: „Wir können gerne auch deutsch sprechen!“. Ein Hamburger stand vor mir. Seiner Seele zuliebe, wie er erklärte, hat er das wirtschaftlich schlechteste Geschäft seines Lebens gemacht und ist nach Spanien gegangen um Wein zu machen. Er bereut nichts und wirkte auf mich sehr entspannt und glücklich. Mir waren die Flaschen aufgefallen. Einfach ein Buchstabe pro Flasche, einfach und schlicht. Der Vorteil sei, dass fast jeder Buchstaben versteht. T ist der Basis-Wein, Z ist ein Blend. Dem Winzer gefällt, dass jeder etwas anderes assoziiert.

Bodegas Murviedro Verkostung

Sein neuer Wein „das kleine C“ hat mir besonders gefallen. Er macht eine überraschende Entwicklung im Glas. Zu Beginn hat er einen etwas ledrigen Geruch, der ist typisch für viele Bobal-Weine, und ist dennoch frisch, leicht und etwas fruchtig. Lässt man ihn eine Zeit im Glas stehen, riecht er angenehm nach Kaffee und Bitterschokolade. Beim Trinken ist er dann sehr leicht und elegant. Ein Wein, der perfekt drei Gänge begleiten kann.

Der zweite Teil der Weinreisenotizen von Anne Gerhards folgt in Kürze.

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