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Cottanera – die Horizontal-Verkostung eines sizilianischen Geheimtipps

von Jörg Uwer

Cantina Cottanera Label

Cantina Cottanera

Weingut: Cottanera
Region: Sizilien
Land: Italien

Nach dem plötzlichen und ebenso traurigen Ableben Udo Jürgens‘ kann man ja nicht mehr so unbeschwert griechischen Wein trinken, auch wenn einem Zeitgenossen wie Alexis Tsipras und Giannis Varoufakis schon den Gedanken nahelegen, dass das Zeugs eine „bewusstseinserweichende“ Wirkung haben muss…

Zum Glück gibt es noch den anderen aus Film, Funk und Fernsehen bekannten Musizier-Udo, den Herrn Lindenberg nämlich. Zu meinen Favoriten aus dessen großartigem lyrischen Schaffen gehört die folgende Passage aus „Mit dem Sakko nach Monaco“: „…und als ich so um 13 war, stellt’ man fest, ich war zu schlau. Mein Vater holt’ die Cognacflasche und sagt ‘Mein lieber Sohn, nun baller’ Dir mal die Birne voll, das korrigier’n wir schon! Die überschüssigen Interlellenzellen, die musste‘ Dir runtersaufen. Und dann wirste‘ was Solides wie’n Mafiakönig, denn als Philosoph verdienste‘ zu wenig.‘“

Da ich Udo L.‘s Ansagen quasi als Gesetz betrachte, reiste ich also kürzlich mit meiner deutlich besseren Hälfte nach Sizilien, um zu prüfen, welches Potenzial für eine solide Cosa-Nostra-Karriere sich mir denn so bietet…Vor Ort, nach eingehender kontemplativer Reflexion über die moralischen und strafrechtlichen Implikationen eines solchen Berufsbildes und zum Glück mehr beeinflusst von den Schönheiten als den kriminellen Organisationen der Insel wurde mir jedoch schnell klar, dass ich wohl doch besser davon Abstand nehme…wie ich das zumeist auch von Cognac tue, aber den Rest der Empfehlungen von Udos Papa könnte ich dann ja mal angehen!

Daher stand auch die umfassende Verköstigung sizilianischer Weine auf dem Reiseprogramm, das auch in dieser Hinsicht einiges zu bieten hatte. Insbesondere die Region des Ätnas hat in der jüngeren Vergangenheit eine enorme Entwicklung gezeigt… Aber vorweg noch ein paar Informationen zu dem Ball vor der italienischen Stiefelspitze: Auf Sizilien haben bereits die Griechen mit Beginn ihrer Kolonisation der größten Mittelmeerinsel im achten vorchristlichen Jahrhundert Weinbau betrieben und damit die Grundlagen gelegt, dass sie eine der wichtigsten und größten Weinregionen Italiens wurde (mit einem Anteil am gesamten Weinbau Italiens von rund 14%). Klimatisch herrschen anspruchsvolle Bedingungen mit heißen, trockenen Sommern und nur geringen Niederschlägen vor. Die Hanglagen mit zumeist vulkanischen Böden und intensiver Sonneneinstrahlung sowie großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht bieten jedoch sehr gute Voraussetzungen für den Weinbau.

Am Ätna rund um die Vulkanhänge in der Provinz Catania werden sehr eigenständige Weine, zumeist aus autochthonen Rebsorten wie bspw. den weißen Sorten Catarratto Bianco, Grillo, Inzolia, Carricante, Minella Bianca und Grecanico Dorato (Garganega) erzeugt. Die häufigsten Rotweinsorten sind Nerello Mascalese, Nerello Cappuccio (auch: Nerello Mantellato) und Frappato (während die international bekannteste Rotweinsorte Siziliens sicher Nero d’Avola ist).

Weingut Cottanera Sizilien

Bei unserer vinophilen Entdeckungsreise stießen wir auch auf das Weingut Cottanera aus Castiglione di Sicilia. Die Familie Cambria erzeugt hier seit 1998 eigene Weine. Der Name Cottanera stammt von einem alten Örtchen in der Nähe der eigenen Weinberge an den Ausläufern des Ätna, die zu den höchstgelegensten der Insel gehören. Dieses Weingut ist hierzulande noch nicht sehr bekannt und selbst vor Ort fallen die angenehm moderaten Preise auf. Daher haben wir uns durch einen Großteil des Rotwein-Portfolios von Cottanera probiert, das ich nachfolgend kurz vorstelle. Neben den erwähnten Nerello-Weinen, die optisch generell durch ihre helle Farbe überraschen, worauf man versucht, die sizilianische Herkunft anzuzweifeln und eher auf einen Wein aus dem Burgund tippt…, werden auf Cottanera aber auch internationale Rebsorten mit bemerkenswerten Ergebnissen ausgebaut:

L’Ardenza 2007 – 100% Mondeuse

Der L’Ardenza als reinsortiger Mondeuse, einer aus Savoyen in Frankreich stammenden, mittlerweile sehr seltenen roten Rebsorte (in ganz Italien werden nur ein paar Hektar angebaut!) zeigt sich in einem tiefen Rubinrot. Das Aromenspektrum ist sehr vielfältig: Himbeere, Honig / Karamell, Orangenzesten, aber auch Rauch, Teer. Am Gaumen sind dann Kirscharomen, Pfeffer und auch hier leichte Paprikanoten zu vernehmen. Die Tannine sind auch im Alter von acht Jahren dicht und deutlich spürbar. Der Wein hat somit ein gutes Alterungspotenzial und scheint gerade auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung zu sein, hält sich aber sicher noch mindestens fünf Jahre auf diesem Niveau. Der L’Ardenza ist ein vollmundiger Wein mit einem langen, schönen Abgang.
Der L’Ardenza stammt vom “ Sotto Cantina”-Weinberg in 700 m Höhe. Die Jahresproduktion beträgt 13.000 Flaschen.

Grammonte 2007 – 100% Merlot

Der reinsortige Merlot „Grammonte“ ist tief Kirschrot bis Purpurrot. In der Nase zeigen sich reife Pflaume, Brombeere, ebenso Honig, Karamell und Veilchen. Am Gaumen dominieren reife dunkle Früchte, Kirschen, Pflaume/ Rumtopf, dunkle Schokolade und mineralische sowie balsamische Noten. Die Tannine dieses kräftigen Merlots sind sehr präsent, trotz seines Alters von acht Jahren zeig präsentiert sicher der Wein noch eher jung, wie so viele hochklassige italienische Merlots. Der Wein hat noch viele gute Jahre vor sich.
Der Grammonte stammt vom “ Sotto Cantina”-Weinberg in 700 m Höhe. Die Jahresproduktion beträgt 15.000 Flaschen.

Nume 2008 – 85% Cabernet Sauvignon und 15% Cabernet Franc

Der Nume aus den Cabernet-Rebsorten präsentiert sich im Alter von sieben Jahren in einem dunklen Kirschrot. In der Nase dominieren Pfeffer, Cassis, leichte Schokoladennoten, Veilchen, am Gaumen Cassis, grüne Paprika und dezente Pflaumennoten. Die Tannine sind deutlich spürbar, der Wein besitzt ein daher ein gutes Alterungspotenzial. Der Abgang ist angenehm und lang, ein sehr schöner Wein mit Rebsortentypizität, aber doch großer Eigenständigkeit.
Der Nume stammt vom “Fiume”-Weinberg in 700 m Höhe. Die Jahresproduktion beträgt 15.000 Flaschen.

Sole di Sesta 2009 – 100% Syrah

Der reinsortige Syrah „Sole di Sesta“ ist tief Purpurrot, fast schwarz und völlig undurchsichtig. In der Nase dominieren Aromen von Wildfleisch, Pfeffer und Gewürzen, eben typisch für Syrah. Am Gaumen herrschen dunkle Früchte vor, im Abgang zeigen sich vor allem Johannisbeere und Brombeere, ergänzt um balsamische Noten. Auch dieser Wein hat deutlich spürbare Tannine und erscheint kurz vor seiner Einschulung (sechs Jahre alt) noch sehr jung mit viel Entwicklungspotenzial.
Der Sole di Sesta stammt wie der Grammonte vom “ Sotto Cantina”-Weinberg in 700 m Höhe, mit einer Jahresproduktion von ebenfalls 15.000 Flaschen.

Fatagione 2010 – 85% Nerello Mascalese, 15% “internationale Rebsorten”

Der Fatagione aus überwiegend Nerello Mascalese hat eine intensive rubinrote Farbe. In der Nase zeigen sich vor allem Aromen von Pfeffer, Minze und Curry mit einigen dunklen roten Früchten, die dann am Gaumen stärker hervortreten: Kirschen, Erdbeeren und Himbeeren. Dazu gesellen sich Schokoladennoten. Das Gesamtbild des Fatagione ist sehr harmonisch, angenehm und überaus balanciert, er macht viel Lust auf mehr. Das ist diesem Schönling auch gelungen, denn er war der erste Cottanera-Wein, den wir probiert haben…
Das Lesegut für den Fatagione stammt vom “Aurora”-Weinberg in 700 m Höhe. Die Jahresproduktion beträgt 30.000 Flaschen.

Etna Rosso 2012 – 90% Nerello Mascalese, 10% Nerello Cappuccio

Die 2012er „Etna Rosso“-Cuvée aus den beiden Nerello-Rebsorten weist ebenfalls ein dunkles Rubinrot auf. In der Nase wird die intensive Mineralität deutlich: Rauch, Graphit, Nadelhölzer, etwas Rosenblätter. Am Gaumen zeigen sich Sauerkirschen, Graphit und Orangenzesten. Das Finish ist sehr lang und samtig. Der Wein ist im Vergleich zu seinen Weingut-Geschwistern auch in seiner Jugend sehr frisch und zugänglich, hat dennoch etliche Jahre Potenzial. Das Lesegut für die Etna Rosso-Cuvée stammt vom “ Solicchiata”-Weinberg in 700 m Höhe. Die Jahresproduktion beträgt 12.000 Flaschen. Dieser Wein wird für neun Monate zu 50% in großen Fässern und zu 50% in französischen Barriques ausgebaut. Danach reift er noch 18 Monate auf der Flasche. Alle anderen vorgenannten Weine werden hingegen für 12 Monate in französischen Barriques ausgebaut, mit anschließender 12monatiger Flaschenreife.

Obwohl die Weine des Cottanera-Portfolios natürlich alle eigenständig sind und daher auch eine individuelle Bewertung verdienten, zeigen sie sich doch allesamt in einer solch hohen Qualität, dass das nachfolgende Gesamturteil gerechtfertigt erscheint. Und ganz wichtig zum Schluss: „Cottanera“ taugt echt viel mehr als „Cosa Nostra“…!

Gesamtnote Geschmack: 4,0 von 5 Punkten, Gesamtnote Preis/Leistung: 4,0 von 5 Punkten

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Cottanera - die Horizontal-Verkostung eines sizilianischen Geheimtipps, 4.3 out of 5 based on 14 ratings

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