Redaktionstasting „Syrah – Eine große Rebsorte im internationalen Vergleich“

Redaktionstasting „Syrah – Eine große Rebsorte im internationalen Vergleich“

August 14, 2018 Aus Von Nico Meisner

Beste Syrah Weine

Inhaltsverzeichnis

▸ EINLEITUNG
▸ INTRO: Schroth Riesling 2016 Asselheim
1. FLIGHT: Syrahs des Jahrgangs 2011
▸ Vincent Paris „Cornas Granite 60 Vielles Vignes“
▸ Fontodi Case Via Syrah
2. FLIGHT: Syrahs des Jahrgangs 2005
▸ Pesquié Quintessence
▸ Montes Folly
3. FLIGHT: Syrahs des Jahrgangs 2004
▸ Pax Cellars „Syrah Alder Springs The Emerald Pool“
▸ Two Hands „Shiraz Sophie´s Garden“

Einleitung

Wer kennt ihn nicht, den alten Doris Day-Schlager „Que Syrah, Syrah…whatever will be, will be…“?…Vermutlich ging er dann doch irgendwie anders, aber in jedem Fall ist die rote Rebsorte für die Wein-Blogger ein solcher „Evergreen“, dass wir ihr ein ganzes Redaktions-Treffen widmen.

Zunächst aber ein paar Hintergrund-Informationen zur Syrah-Traube, für die es über 80 Synonyme gibt, was zum einen ihr hohes Alter und andererseits auch die weite Verbreitung verdeutlicht. Sie stammt aus Frankreich, wobei es viele Hypothesen über die Herkunft gibt. Nach der gängigsten soll die Sorte aus der uralten Stadt Shiraz (Schiras) im heutigen Iran (Persien) stammen. Von dort wurde sie angeblich Anfang des 13. Jahrhunderts von einem französischen Kreuzritter nach Frankreich gebracht. Als weitere Ursprünge wurden aufgrund der Namensähnlichkeiten die Kykladen-Insel Syra oder auch die Stadt Syracus auf Sizilien vermutet, all dies hat aber eher folkloristischen Charakter. Der tatsächliche Ursprung der Syrah wurde durch im Jahre 2000 erfolgte DNA-Analysen geklärt: Sie ist eine wahrscheinlich natürliche Kreuzung der zwei alten Sorten Mondeuse Blanche (weiß) x Dureza (rot). Der Ursprung beider Elternteile liegt zwischen Rhône und Genfer See (Savoyen). Die (französische) Syrah ist mit der (australischen) Shiraz genetisch identisch, sie haben jedoch eine eigene Geschichte.

Die Syrah-Traube erbringt tiefdunkle, tanninreiche Rotweine mit intensiven, vielfältigen Aromen nach weißem und schwarzem Pfeffer, Brombeere, Himbeeren, Cassis, Pflaumen, Schokolade und Leder, die zumeist ein hohes Alterungspotenzial aufweisen. Syrah zählt zu den großen Rebsorten der Welt, den „Cépages nobles“. Ob das mit der Noblesse auch tatsächlich so stimmt, das haben wir uns dann mal anhand dreier Jahrgangs-Flights (in umgekehrter Reihenfolge, d.h. beginnend mit dem jüngsten) mit sechs Weinen angesehen.

Intro: Schroth Riesling 2016 Asselheim

Schroth Riesling Asselheim 2016Wir eröffneten den Abend mit dem obligatorischen Weißwein, der in diesem Fall tatsächlich und ausschließlich aufgrund des vielversprechenden Etiketts ausgesucht wurde. Hände. Puristisch und dennoch bedeutungsschwer, sollte man sich doch regelmäßig darauf besinnen, wie viel Handarbeit in einer Flasche steckt. Dieser Schroth Riesling 2016 Asselheim fiel folglich aufgrund dieser „ehrlichen Hände“ auf. Sie repräsentieren nicht nur diesen Wein, sondern das komplette Weingut und die Leidenschaft, die in jeder Flasche steckt. In der Pfalz liegende 30 Hektar hat Michael Schroth von seinem Vater übernommen und bewirtschaftet sie mit Passion und Hingabe.

Zunächst zeigte uns dieser 2016er Schroth Riesling Asselheim eine Frische von grünem Apfel und Säure bei gleichzeitig cremiger Textur. Am Gaumen schmeckten wir neben der Fruchtsüße vom Pfirsich auch leichte Honignoten. Auch wenn der Wein im Laufe seines Genusses den „Säurekick“ verliert, war er für uns ein guter Einstieg in einen weinreichen Abend. Der Spannungsbogen war damit freigegeben für das Wettrennen der Syrahs…

1. Flight: Syrahs des Jahrgangs 2011

Vincent Paris „Cornas Granite 60 Vielles Vignes“ 2011

Vincent Paris Cornas Granit 60 2011

Syrahs der nördlichen Rhône gehören zu den großen Schätzen der Weinwelt. Die Namen der Anbaugebiete wie Hermitage, Côte Rôtie, Saint-Joseph, aber auch Cornas und ihrer renommierten Erzeuger lassen die herzen der Weinliebhaber höher schlagen. Diese Schätze die benötigen allerdings in der Regel auch einiges an Zeit (=Flaschenreife) und Geduld, bis sie ihre volle Pracht entfalten…

Das Weinbaugebiet Cornas liegt am nördlichen rechten Ufer der Rhône und hat den Status einer Appellation d’Origine Contrôlée, die als Cru klassifiziert ist. Die Cornas-Rotweine haben eine lange Geschichte und taugten daher auch zur Legenden-Bildung, da angeblich Sonnenkönig Ludwig XIV. diese zu seinen Favoriten zählte. Hier ist wie im gesamten nördlichen Abschnitt der Rhône nur Syrah als rote Rebsorte zugelassen.
Unter den angesehenen „Platzhirschen“ in Cornas wie bspw. Franck Balthazar, Auguste Clape, Jean-Luc Colombo, Delas oder Alan Voge hat sich mittlerweile auch der junge Vincent Paris fest etabliert. Er ist verwandt mit Robert Michel, einem der Altmeister in Cornas, bei dem er auch in die Lehre ging; als Mentor nennt er zudem Thierry Allemand, dessen naturnahe Weinbergsarbeit und schonende Kellerbehandlung für ihn Vorbild sind. Vincent Paris verfügt über sechs Hektar erstklassiger Lagen, die er von seiner Familie in Pacht bzw. vererbt bekam. Der Aufsteiger ist mittlerweile auch der Präsident der lokalen Winzervereinigung und steht für aromatisch präzise, tiefgründige und komplexe Weine.

Der Granite 60 steht für die steilste Lage des Weinguts. Dieser Wein ist kraftvoll, dicht und hat Volumen, ist aber definitiv noch jung (siehe oben, Geduld ist gefragt!) und gibt sich nicht gleich als Syrah zu erkennen. In der Nase finden sich Aromen von Kräutern, Schwarzkirsche, aber auch Holzkohle und rauchigem Speck. Am Gaumen kommen neben dunklen Früchten Aromen von Tabak und Leder hinzu. Der Wein ist kühl und elegant im Stil, hat aber noch viele Jahre der Entwicklung vor sich, bevor er seinen Höhepunkt erreichen wird. Da wir ihn etwas zu jung getestet haben, ergattert er im Ranking unseres Wein-Line-up nur einen Platz im Mittelfeld.

Fontodi Case Via Syrah 2011

Fontodi Case Via Syrah 2011

Die Azienda Fontodi zählt ohne Zweifel zu den Top-Weingütern des Chianti Classico-Gebietes der Toskana. Seit 1968 ist das Weingut im Besitz der Familie Mannetti, die seitdem bedingungsloses Qualitätsstreben mit modernen Technologien bei gleichzeitiger Ausrichtung auf biodynamische Bewirtschaftung vorantreibt. Mit dem reinsortigen Sangiovese „Flaccianello della Pieve“ und dem Chianti Classico Riserva „Vigna del Sorbo“ (Sangiovese und Cabernet Sauvignon) spielt dieses Weingut ganz oben in der Liga der Supertoskaner mit.
Fontodi hat sich aber frühzeitig auch dem Ausbau der Syrah-Traube in der Toskana verschrieben. Die Syrah-Trauben werden in sehr geringen Erträgen geerntet und 18 Monate in Barriques ausgebaut. Der Fontodi-Syrah wird unter dem „Case Via“_label vermarktet, unter dem auch ein „Pinot Nero“ entsteht.

Der Fontodi Case Via Syrah 2011 kommt sehr dicht und dunkel ins Glas und offenbart an der Nase schon die volle Kraft, die diese Rebsorte zu bieten hat. Es finden sich Aromen von Rauch und Speck, Gewürzen, Lakritzen und reifen dunklen Beeren. Am Gaumen zeigt sich aber trotz der beeindruckenden Dichte und Opulenz aus dunklen Früchten und vegetabilen Noten genau wie beim Cornas, dass wir die Flasche etwas zu früh geöffnet haben. Der Wein ist noch sehr jung, die Tannine sind noch sehr stringent, dem Abgang fehlt es noch an Länge. Zweifellos besitzt der 2011er großes Potenzial, wer diesen Wein aber jetzt in Perfektion genießen will, greift besser zu Exemplaren aus 2006 und 2007. Das sind beides große Jahrgänge, die aktuell beste Trinkreife haben. Da wir bei diesem Wein noch nicht das optimale Trinkfenster erwischt haben, reichte es in unserem Ranking leider nur für einen der hinteren Plätze.

2. Flight: Syrahs des Jahrgangs 2005

Pesquié Quintessence 2005

pesquié quintessence 2005

Das Château Pesquié befindet sich in Frankreich im Anbaugebiet der südlichen Rhône, in der Appellation Côte du Ventoux. Das Mikroklima hier eignet sich perfekt für den Weinbau. Die Südhänge des 1912m hohen Mont Ventoux bekommen an mehr als 300 Tagen im Jahr Sonne, durch den kühlen Mistralwind gibt es erhebliche Tag-/ Nacht-Schwankungen bei den Temperaturen. Die lehm- und kalkhaltigen Böden speichern das Wasser sehr gut, sodass die Reben auch im Sommer keinem Trockenstress ausgesetzt sind.

Das Château Pesquié befindet sich in Familienbesitz und zählt zu den innovativsten und besten Produzenten der Region. Seit 2003 ist mit Alexandre & Frédéric Bastide die dritte Generation der Familie in der Verantwortung. Eine der Top-Cuveés des Weinguts aus 80 % Syrah und 20 % Grenache ist der hier vorgestellte Quintessence (nominell ist der Artemia über dem Quintessence angesiedelt, aber laut erfahrener Verkoster von Pesquie-Weinen nicht in jedem Fall besser…). Der Jahrgang 2005 wurde im Namen eines einschlägigen Weinkritikers für den dafür aufgerufenen, moderaten Kaufpreis mehr als ansehnlich bewertet, allerdings auch mit einem empfohlen (Trink-)zeitfenster von 2009 bis 2016.

Der Wein kommt in dunklem Purpur ins Glas und bietet an der Nase eher dezente Aromen. Es finden sich neben den dunklen Beeren (Cassis und Brombeeren) Noten von Kräutern und Gewürzen, Heu und Schokolade. Der Wein präsentierte sich sehr dicht und extraktreich, hatte aber tatsächlich seinen Höhepunkt schon hinter sich gelassen, befand sich eher am Ende seiner Lebensdauer und landet deshalb im Vergleich mit den anderen Weinen auf den hinteren Plätzen.

Montes Folly 2005

montes folly 2005

Die Klimabedingungen in Chile sind im Colchagua Valley für den Weinbau auch wegen der großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht optimal. Nach der Hitze des Tages wehen kalte Fallwinde von den Anden ins Tal und bringen den Reben Kühlung. Ein kompliziertes, noch aus der Zeit der Inka stammendes Bewässerungssystem, versorgt die Reben während der trockenen Sommermonate mit ausreichend Wasser.
Das Weingut Viña Montes gilt dabei seit den 80er als das Musterweingut in Chile. Bekannt wurde Montes vor allem durch den Montes Alpha Cabernet Sauvignon, einen komplexen, konzentrierten und „modern „gemachten Rotwein.

Als Aurelio Montes an den höher gelegenen Hängen von Apalta die ersten Syrah-Reben pflanzte, hielten ihn die übrigen Winzer der Region für komplett verrückt und größenwahnsinnig (engl.: folly), in diesen Felswänden Wein anzubauen. Die Steigung beträgt hier mehr als 45° und macht die Arbeit im Weinberg nicht nur enorm anstrengend, sondern zu einem beinahe artistischen Akt. „Folly“ nannte Aurelio Montes daher auch diesen Wein. Die Rebsorte Syrah kommt aber mit den Bedingungen in den Steillagen des Apaltas durchaus gut zurecht, bringt dadurch tolle würzig-fruchtige Aromen und damit diesen Syrah mit internationaler Klasse hervor.

Der Folly Syrah wird 18 Monate in neuem französische. Holz ausgebaut. Er kommt in tiefdunkler Farbe, fast schon schwarz ins Glas. An der Nase ist er sehr intensiv und bietet ein breites Aromenspektrum von Pflaumen, schwarzen Johannisbeeren, Schokolade und Lakritz. Bei aller maskulinen Kraft zeigt er doch auch Harmonie und Balance in seinem „minutenlangen“ Finale. Eindeutiges Urteil: Ein großer Wein, aber doch nur der wenn auch klare Platz 2 bei diesem Tasting hinter dem überragenden Two Hands-Wein im folgenden Flight.

3. Flight: Syrahs des Jahrgangs 2004

Pax Cellars „Syrag Alder Springs The Emerald Pool“ 2004

pax syrah alder springs the emerald pool

Bei diesem Syrah gehen wir über den grossen Teich ins ins sonnige Kalifornien, genaugenommen in die Region Sonoma County an der Nordküste. Hier gründete Pax Mahle im Jahr 2000 das Weingut Pax Wine Cellars und kaufte zusammen mit Investoren den kleinen Weinberg „Alder Springs Vineyard“. Nur wenig später gehörte er damit zu den Top Produzenten von Kalifornien.

Nach Problemen und einem Rechtsstreit mit seinem Partner Joe Donelan musste Pax Mahle aber schon 2008 Pax Wine Cellars wieder aufgeben. 2014 holte er sich aber seine Lieblings-Weinberge wieder zurück und Pax Wine wurde wiedereröffnet.

Aber nun zum Wein. Der tritt erstmal mit erstmal über 16% Alkoholgehalt an und kommt im sehr dunklem, dichtem Purpurrot in Glas. An der Nase gibt es dann die volle Ladung an ausdrucksstarken, singulären Aromen von Sauerkirsch, Brombeeren, Johannisbeeren und so ziemlich allen anderen dunklen Früchten die man sich vorstellen kann. Dazu gibt es einen guten, langen und intensiven Abgang sowie einen Patz im Mittelfeld bei diesem exklusiven Tasting.

Two Hands „Shiraz Sophie´s Garden“ 2004

two hands shiraz sophies garten 2004Zum Schluss kommen wir zu einem der sicherlich momentan „angesagtesten“ Shiraz-Produzenten. Two Hands Wines aus Süd-Australien. Two Hands Wines sind Michael Twelftree und Richard Mintz. Gemeinsam gründeten sie 1999 ihr Weingut im Barossa Valley. Mittlerweile sind weitere Regionen, Rebsorten und Weinserien dazugekommen.

Der Two Hands Garden Series Sophie’s Garden Shiraz stammt aus dem für südaustralische Verhältnisse gewöhnlich etwas kühleren Padthaway (nördlich des etwas bekannteren Coonawarra gelegen). Two Hands produziert eine Reihe erstklassiger Einzellagen-Shiraz (wie z.B. „Zippy’s Block“, „Lily’s Garden“, „Bella’s Garden“, „Samantha’s Garden“) Der Jahrgang 2004 dieses Weins markiert einen Höhepunkt im bisherigen Schaffen dieses außergewöhnlichen Weingutes. Robert M. Parker, Jr. rief folgerichtig 2004 die Two Hands Wines zum “besten Weinhersteller südlich des Äquators” aus.

Ins Glas kommt auch dieser Wein im dunkelsten Purpurrot, fast schwarz. An der Nase finden sich verführerische Aromen von Brombeeren, Johannisbeeren, Schokolade und Mokka, untermalt von ein wenig Minze und Pflaume. Am Gaumen besitzt er unglaubliche Power und Dichte, gleichzeitig aber Klarheit, Frische und Eleganz und weiß damit auch die heftigen 16% Alkohol zu kompensieren. Beeindruckend! Dieser Wein war definitiv das Highlight des Abends.

Unser Résumé

Insgesamt war dieses Tasting ein Beleg für die wunderbare Vielfalt und Klasse der Weine, welche die Syrah quer über den Erdball hervorbringt. Bei aller Variation in Stil und Machart haben sie doch die Ausdrucksstärke der Frucht- und Gewürzaromen gemeinsam. Allerdings hat sich auch bestätigt, dass sich der geneigte Genießer Zeit lassen sollte, Syrahs/Shiraz‘ brauchen ihre Zeit, ,um sich voll zu entfalten, dann bieten sie allerdings ein hohes Suchtpotenzial…

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