Noon Eclipse 2004

Noon Eclipse 2004

Dezember 14, 2017 Aus Von Jörg Uwer

Noon Eclipse 2004

Weingut: Noon Winery
Rebsorte: Grenache, Shiraz
Gebiet: Mc Laren Vale, South Australia
Land: Australia

„Noon Eclipse“…manche Weine sind ja tatsächlich von einer derartigen qualitativen Finsternis (Eclipse) geprägt, dass man sie weder zur Mittagszeit (Noon) noch überhaupt irgendwann trinken möchte. Kennen wir sicher alle, Kellergeister, Liebfrauenmilch, Erlauer Stierblut, Kröver Nacktarsch und Konsorten lassen wenig schön grüßen! Doch dem stehen glücklicherweise die „großen Weine“ entgegen, und damit meine ich diejenigen, welche jeder Weinliebhaber zu seinen persönlichen Lieblingen, seinen „All-time Favourites“ zählt. Und für mich „einfachen demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn“ (in unbescheidener Anlehnung an einen gewissen Herrn Josef Ratzinger, a.k.a. „‘Wir sind Papst Benedetto“ a.k.a. „“Das Maschinengewehr Gottes“…) zählt zweifelsohne der Eclipse der Noon Winery zu dieser Kategorie.

Winemaker & Wineyard

Drew Noon erwarb zunächst das überaus seltene Prädikat eines „Master of Wine“, um sodann Winemaker bei Cassegrain und danach bei Tyrrell´s zu werden. 1996 übernahm er das 20 Jahre zuvor von seinem Vater David gegründete Weingut im McLaren Vale. Die Pflanzungen der eigenen Grenache-Weinberge stammen aus den Jahren 1934 (der „Home Block“) und 1943 (“B.J.’s Block“) und bringen „monströse“ Qualitäten hervor, vielleicht ist das der Grund, dass der Schatten der Sonnenuhr auf dem Etikett auch an eine Haiflosse erinnert. Noon bezieht zudem Shiraz- („20 Rows Shiraz Vineyard“, 1962 gepflanzt) und Cabernet Sauvignon-Trauben („Fruit Trees Vineyard“, 1972 gepflanzt) aus Weinbergen, die der befreundeten Familie Borrett in Langhorne Creek gehören. Drew Noon produziert in erster Linie Rotweine, neben dem Eclipse ist er vor allem für seinen Shiraz Reserve sowie den Cabernet Sauvignon Reserve berühmt.

Ein gewisser Robert M. Parker, Jr. und seine WineAdvocate-Mitstreiter machen schon seit Jahren tiefe Verbeugungen vor Mr. Noon und überschütten ihn bzw. seine Weine mit einem warmen Punkte-Regen (der hier vorgestellte Eclipse 2004 erhielt saloppe 97 von 100!). Die Nachfrage nach seinen Weinen übersteigt das Angebot um ein Vielfaches: Gerüchteweise verkauft das selbst ja nur 8,5 ha kleine Familienweingut seine Jahresproduktion an einem einzigen Morgen, wenn die australische Fangemeinde für den Erwerb von ein paar Flaschen Schlange steht.

Vinifizierung

Die 2004er Ausgabe des Eclipse-Blend besteht zu 65% aus Grenache und zu 35% Shiraz (wie alle Jahrgänge vor 2008, ab diesem wurden der Cuvée dann etwas Cabernet Sauvignon und Graciano hinzugegeben). Die Trauben werden „basket-pressed“, die Fermentation erfolgt in kleinen offenen Gärbottichen mit manuellem Untertauchen des Maischehutes. Der Wein wird für 18 Monate zum Teil in 300 Liter-Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche, zum Teil in großen Fudern ausgebaut. Nur etwa 20% der Fässer sind neu, um die Holzaromen im Griff zu behalten. Drew Noon steht für eine „minimalinvasive“ Weinbereitung und den authentischen Charakter merkt man seinen Erzeugnissen auch deutlich an.

Nase & Gaumen

Der Eclipse 2004 präsentiert sich in einem schönen Granatrot mit einer Grenache-dominierten Nase von Himbeeren, Kirschen, etwas Pflaume, dazu Pfeffer, Lakritze und Schokoladen-Töne, die den Shiraz-Anteil verdeutlichen. Der Wein hat mit 15,5% Vol. einen relativ hohen Alkoholgehalt (der vor allem von den vollends gereiften Grenache-Trauben aus geringen Erträgen herrührt), der aber wunderbar eingebunden ist und ihn in keiner Weise „brandig“ oder „marmeladig“ wirken lässt. Eine „Drew Noon-eigene“ Finesse und Eleganz bei gleichzeitig großer Struktur und Dichte erscheinen stattdessen als viel passendere Beschreibungen für dieses wundervolle, die Sinne berührende Elixier, das selbstredend mit einem schier endlosen Finale aufwartet und noch viele Jahre hoher Lebensqualität vor sich hat. „Finsternis am Mittag“…unbedingt empfehlenswert!

Geschmack: 5 von 5 Punkten, Preis/Leistung: 5 von 5 Punkten

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